CDN Logging – Edge Logs richtig auswerten
CDNs beschleunigen deine Website, doch die eigentliche Superpower steckt in den Edge Logs. Sie zeigen dir, was an der Kante wirklich passiert: Cache-Hits, Latenzen, Statuscodes, Herkunftsländer, blockierte Bots und vieles mehr. Wer diese Daten sauber liest, findet schnell Bottlenecks und spart Kosten am Origin.
In diesem Guide lernst du Schritt für Schritt, wie du Edge Logs verstehst, kennzahlenbasiert auswertest und daraus klare Maßnahmen ableitest. Ziel ist, dass du dein CDN nicht nur laufen lässt, sondern aktiv steuerst – von der Cache-Hit-Rate bis zur Fehleranalyse.
Was sind Edge Logs und warum sind sie wichtig
Edge Logs sind Zeilen mit Ereignissen, die an den CDN-Standorten anfallen – bei Treffern aus dem Cache, Weiterleitungen, Fehlern oder Sicherheitsereignissen. Typische Felder sind Zeitstempel, Edge-Standort, Statuscode, Cache-Status (hit/miss/bypass), Methode, Host/URL, Referrer, User-Agent, Bytes, Latenz (edge und origin), Land/ASN und oft eine Request-ID.
Der Nutzen: Du erkennst Lastmuster, Problem-URLs, teure Misses und auffällige Clients. Mit diesen Einsichten verbesserst du Performance, Verfügbarkeit und Kosten.
Die wichtigsten Kennzahlen
Cache-Hit-Rate (CHR)
Anteil der Antworten, die aus dem Edge-Cache bedient wurden. Mehr Hits bedeuten weniger Origin-Last und kürzere Antwortzeiten. Achte auf CHR nach Pfad und nach Asset-Typ.
Herkunft der Fehler
Gruppiere 4xx und 5xx. 4xx deuten oft auf Client- oder Regelprobleme hin, 5xx meist auf Origin. Prüfe, ob 5xx bei miss gehäuft auftreten – dann könnte der Origin unter Last stehen.
Latenzen und Verteilung
Betrachte p50/p95/p99 statt nur Mittelwerten. Trenne Edge-Latenz (TTFB bis Edge) und Origin-Latenz (Fetch-Zeit). Ausreißer im p99 zeigen Engpässe.
Traffic- und Größenprofile
Bytes gesamt, Bytes pro Asset-Typ, Antwortgrößen. Große HTML-Antworten deuten auf fehlende Kompression oder unnötige Personalisierung am Edge hin.
Edge Logs lesen – ein kompaktes Beispiel
Ein vereinfachter JSON-Eintrag könnte so aussehen:
{
"ts":"2025-09-12T08:15:27Z",
"colo":"FRA",
"client_ip":"203.0.113.10",
"host":"www.beispiel.de",
"url":"/assets/app.css",
"method":"GET",
"status":200,
"cache":"hit",
"edge_ttfb_ms":18,
"origin_ttfb_ms":0,
"bytes":42137,
"ua":"Mozilla/5.0",
"country":"DE",
"request_id":"ray-9fa12c"
}
Wichtig: cache: „hit“ und origin_ttfb_ms: 0 zeigen an, dass der Origin nicht berührt wurde.
Von Rohdaten zu Antworten – ein einfacher Workflow
1. Sammeln
Aktiviere Echtzeit- oder Batch-Export deines CDN in einen Object Store oder Log-Dienst. Nutze JSON wenn möglich – es ist leichter zu parsen.
2. Normalisieren
Bringe Felder auf einheitliche Namen und Typen. Achte auf Zeitzonen (UTC) und Millisekunden als Zahl, nicht als String.
3. Speichern
Lege Logs in einem kosteneffizienten Speicher ab und indiziere Kernfelder in einer Abfrage-Engine. Für Einsteiger reicht oft ein ELK-Stack oder ein Cloud-Logservice.
4. Auswerten
Baue Saved Queries für CHR, Fehlerquoten, Latenz-Perzentile, Top-URLs, Länder/ASNs. Visualisiere als Zeitreihen und Top-N.
5. Alarmieren
Setze Warnungen bei CHR-Abfall, 5xx-Spikes, p95-Latenz und Anomalien aus bestimmten ASNs oder Ländern.
Praktische Analysen, die sich lohnen
Welche URLs verhindern Cache-Hits
Filtere cache=miss und gruppiere nach url oder Cache-Key. Prüfe Cache-Control Header am Origin: public, max-age, s-maxage und ETag/Last-Modified. Fehlt etwas, liefert der Edge immer wieder miss.
Unerwartete 5xx
Korrelier status=5xx mit origin_ttfb_ms – steigt der Wert, deutet das auf Datenbank- oder App-Langsamkeit hin. Tritt 5xx nur bei POST auf, prüfe WAF/Rate-Limits oder Upstream-Zeitüberschreitungen.
Bot- und Scraper-Traffic
Sortiere nach User-Agent und ASN. Viele Requests auf /search oder /wp-login.php mit hoher Miss-Rate sprechen für Bots. Baue Rate Limits oder Bot-Regeln und beobachte die Auswirkung.
Länder- und PoP-Vergleich
Vergleiche colo und country. Hohe p95 in einem PoP deuten auf Überbuchung oder Route-Probleme hin. Du kannst temporär Traffic verlagern oder beim Anbieter ein Ticket ziehen.
Edge-optimierte Maßnahmen
Cache-Strategie schärfen
Definiere klare Cache-Keys (z. B. URL + Wichtige-Header), aktiviere Compression für text/html, css, js, json und setze Stale-While-Revalidate, damit Nutzer bei Origin-Ausfällen stale Inhalte bekommen.
Regeln am Edge
Nutze URL-Rewrites, Weiterleitungen und Security-Regeln (WAF, Bot-Management) möglichst am Edge. Jede Anfrage, die nicht zum Origin muss, spart Zeit und Kosten.
Fehlerseiten und Retries
Gestalte Fehlerseiten leicht und cachebar. Bei idempotenten GETs können Edge-Retries mit Backoff helfen, sporadische Origin-Fehler abzufangen.
Datenschutz und Qualität
Minimiere personenbezogene Daten. Anonymisiere IPs, kürze Query-Strings auf whitelisted Parameter, verberge Auth-Tokens und Cookies in Logs. Halte eine Retention-Policy ein und prüfe, wer Leserechte hat. Gute Logs sind vollständig, aber nicht neugierig.
Kleine Checkliste für den Start
- CHR und 5xx-Rate als Kernmetriken auf ein Dashboard.
- p95/p99 für edge_ttfb_ms und origin_ttfb_ms beobachten.
- cache=miss Top-URLs prüfen und Cache-Control am Origin korrigieren.
- Anomalie-Alarme für Traffic-Spikes und Fehler setzen.
- PII-Minimierung und Retention dokumentieren.
Fazit
Edge Logs sind dein Radar. Mit ein paar festen Kennzahlen, klaren Abfragen und gezielten Regeln machst du dein CDN schneller, günstiger und stabiler. Starte mit CHR, Fehlerquoten und Latenz-Perzentilen, finde teure Misses, härte den Edge, und beobachte die Wirkung. So holst du aus deinem CDN mehr Performance bei weniger Origin-Last.


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