WLAN Troubleshooting – Interferenzen, Kanäle, Roaming optimieren

WLAN Troubleshooting - Interferenzen, Kanäle, Roaming optimieren - IT-Glossary

Ein schnelles WLAN fühlt sich magisch an, bis es ausgerechnet im Meeting oder beim Stream ruckelt. Meist liegt das nicht an der Internetleitung, sondern an Funkstörungen, schlechter Kanalwahl oder holprigem Roaming zwischen Access Points. Die gute Nachricht: Mit ein paar gezielten Schritten bekommst du das in den Griff.

In diesem Guide lernst du die wichtigsten Basics und praxiserprobte Maßnahmen, die du auch ohne Spezialwissen umsetzen kannst. Du erkennst Interferenzen, wählst passende Kanäle und stellst sauberes Roaming ein. Ziel ist ein stabiles, vorhersehbares WLAN, das im Alltag einfach funktioniert.

WLAN kurz verstehen: was Leistung wirklich treibt

WLAN ist Funk. Geräte teilen sich eine begrenzte Airtime. Entscheidend sind Signalstärke und Signal-zu-Rausch-Abstand. Die Faustregeln: Für Alltagsnutzung peilst du mindestens -67 dBm RSSI und >25 dB SNR an. Alles, was dein Signal schwächt oder Rauschen erhöht, bremst die Datenrate.

Bänder und Kanäle im Überblick

Im 2.4 GHz Band gibt es nur wenige überlappungsfreie Kanäle. Im 5 GHz Band sind mehr Kanäle und höhere Datenraten möglich. 6 GHz (Wi-Fi 6E) ist noch leerer, falls deine Hardware das unterstützt. Jedes Band hat Stärken und Grenzen. 2.4 GHz reicht weiter, 5 und 6 GHz sind schneller und störunanfälliger.


Interferenzen erkennen und reduzieren

Typische Störquellen im Alltag

Wände, Spiegel, Wasser, Fußbodenheizung, dazu Mikrowellen, Bluetooth, DECT, Babyphones oder das WLAN der Nachbarn. All das frisst Airtime oder erzeugt Rauschen. Auch zuviele eigene Access Points mit zu hoher Sendeleistung stören sich gegenseitig.

Wie du Störungen sichtbar machst

Nutze einfache WLAN-Analyzer Apps auf dem Smartphone oder Laptop. Achte auf Kanalbelegung, RSSI und Rauschpegel. Bewege dich durch die Räume und beobachte, wie sich die Werte verändern. So findest du tote Zonen und überfüllte Kanäle.

Standort und Ausrichtung der Access Points

Hoch und frei ist besser als hinter Schränken. Vermeide Ecken und Metall in unmittelbarer Nähe. Besser mehrere APs mit niedriger Leistung als ein einzelner mit Vollgas. Platziere APs dort, wo Menschen tatsächlich WLAN nutzen, nicht nur an beliebigen Kabelauslässen.


Kanäle richtig wählen

2.4 GHz: nur 1, 6 oder 11 nutzen

Die Kanäle überlappen stark. In Mitteleuropa fährst du stabil, wenn du Kanal 1, 6 oder 11 mit 20 MHz Bandbreite nutzt. Breitere Kanäle lohnen hier nicht, sie erhöhen nur die Überschneidung. Wechsle auf den am wenigsten belegten dieser drei Kanäle.

5 GHz: Non-DFS vs. DFS verstehen

Die Kanäle 36 bis 48 sind Non-DFS und starten schnell. DFS-Kanäle (z. B. 52 bis 64 und 100 bis 140) sind oft leerer, weil Geräte bei Radarerkennung ausweichen müssen. Für Büros lohnt sich ein Test mit 40 oder 80 MHz, in sehr dichter Umgebung eher 40 MHz für mehr Parallelität. Bleib bei einer Kanalbreite über alle APs hinweg konsistent.

6 GHz: sauber, aber Hardware-abhängig

Wenn deine Clients Wi-Fi 6E können, probiere 6 GHz. Hier sind PSC-Kanäle für schnelles Scannen gedacht. Vorteil: wenig Altlasten und kaum Störer. Nachteil: Reichweite ist geringer, du brauchst eventuell mehr APs.


Roaming optimieren

Gleiche SSID, gleiche Sicherheit, gleiche Einstellungen

Für flüssiges Roaming müssen alle APs denselben SSID-Namen und identische Verschlüsselung nutzen. Vermeide pro Etage eigene SSIDs. Ein Netz, klare Parameter, fertig.

802.11k, 802.11v und 802.11r nutzen

802.11k hilft beim schnelleren Finden besserer APs, 802.11v gibt dem Client Empfehlungen, 802.11r beschleunigt den Fast Transition beim Wechsel. Aktiviere diese Features, wenn deine Clients sie unterstützen. Das reduziert Hänger beim Raumwechsel.

Sendeleistung ausbalancieren

Zu hohe Leistung hält Clients zu lange am falschen AP. Reduziere die 2.4 GHz Leistung oft etwas stärker als 5 GHz. Ziel ist, dass Geräte rechtzeitig wechseln. Viele Controller bieten Minimum RSSI oder AP Load Balancing. Setze die Schwellen behutsam, sonst fliegen Clients unnötig raus.


Konfiguration in der Praxis

Schritt 1: Ist-Zustand messen

Laufe mit einem Analyzer durch die Fläche. Notiere RSSI, SNR, Kanalbelegung und auffällige Störer. Markiere Problemzonen auf einem Grundriss. Schon diese einfache Aufnahme zeigt, wo du ansetzen musst.

Schritt 2: AP-Standorte und Leistung anpassen

Rücke APs aus Ecken weg, hänge sie an die Decke oder hoch an die Wand. Senke Sendeleistung, falls sich Zellen übermäßig überlappen. Prüfe danach die Werte erneut. Dein Ziel sind gleichmäßige Zellen ohne riesige Überschneidungen.

Schritt 3: Kanalplan festlegen

Setze im 2.4 GHz Band fest auf 1, 6, 11. Im 5 GHz Band verteilst du die Kanäle so, dass benachbarte APs unterschiedliche Kanäle nutzen. Entscheide dich dann für 40 oder 80 MHz und bleibe dabei. Prüfe, ob DFS für dich praktikabel ist.

Schritt 4: Roaming-Features und Policies aktivieren

Aktiviere 802.11k/v und optional 802.11r. Wenn verfügbar, nutze Band Steering, damit moderne Clients eher auf 5 GHz bleiben. Setze ein moderates Minimum RSSI, damit Geräte zu schwache Verbindungen aufgeben und sauber wechseln.

Schritt 5: Funktion testen

Teste mit Ping und Speedtests an mehreren Punkten. Bewege dich während eines Video-Calls durch die Fläche und beobachte, ob der Wechsel zwischen APs ruckelfrei bleibt. Passe danach Leistung oder Kanalwahl minimal an, bis es stabil ist.


Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Zu breite Kanäle im 2.4 GHz Band kosten mehr als sie bringen. Alle APs auf demselben Kanal erzeugen Dauerstau. Volle Sendeleistung klingt gut, führt aber zu klebrigen Clients. Zuviele SSIDs pro AP verschwenden Airtime. Hardware wild mischen ohne einheitliche Settings erschwert Roaming. Wenn du diese Fallen meidest, gewinnst du sofort an Qualität.


Kleine Kennzahlen, die dir helfen

RSSI ab -67 dBm für stabile Nutzung, SNR > 25 dB als Ziel. Packet Loss < 1 Prozent und Latenz < 50 ms reichen für Video-Calls. Diese Werte sind keine Dogmen, aber sie geben dir klare Anhaltspunkte beim Messen und Optimieren.


Fazit

WLAN-Optimierung ist kein Ratespiel, sondern Messung plus klare Entscheidungen. Wenn du Interferenzen reduzierst, Kanäle planst und Roaming-Funktionen sauber aktivierst, wird dein Netz spürbar stabiler. Starte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme, optimiere Standort und Leistung, lege einen Kanalplan fest und aktiviere k/v/r dort, wo es passt. So holst du aus deiner vorhandenen Hardware deutlich mehr heraus.

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